In der Rubrik "Projekte"

 

wollen wir die Entwicklung einzelner Bäume über einen längeren Zeitraum hin begleiten und dokumentieren. Diese Bildreihen sollen zeigen, wie im Laufe der Jahre aus Material unterschiedlicher Qualität ansehnlich Bonsais werden können – wenn konsequent und zielgerichtet gearbeitet wird. Nicht immer ist es die "große" Gestaltung oder der Radikale Eingriff, der eine Rohpflanze zum Bonsai macht; ebenso kann eine lange Reihe kleiner, wenig spektakulärer Schritte zum angestrebten Ziel führen.

Cotoneaster divaricatus (Sparrige Strauchmispel)

 

Cotoneaster sind als Bonsais relativ selten bei Ausstellungen zu sehen. Und wenn tatsächlich einmal eine Mispel gezeigt wird, ist es meist eine der kriechenden Horizontalis-Varietäten. Grundsätzlich aber geben Cotoneaster hervorragendes Material zur Bonsaigestaltung ab. Vor allem für Anfänger sind sie sehr gut geeignet. Weil sie ausgesprochen wüchsig sind, hat der Beginner immer etwas zu tun. Einen Fehler verzeihen sie relativ klaglos, ist einmal ein Ast zu viel gefallen, wächst meist bald Ersatz nach.

Außerdem sind Cotoneaster sehr attraktiv. Die relativ kleinen Blätter vermitteln einen harmonischen Gesamteindruck, die rosa-weißen Blüten sorgen für einen Höhepunkt im Frühjahr (Bild), die dunkelroten Beeren erscheinen ab August (Bild) und im Herbst hat speziell der Divaricatus ein fulminantes Laub in allen Rottönen (kriechende Formen behalten die Blätter bisweilen den Winter über).

Die vorgestellte Pflanze stammt von Uwe Krötenheerdt aus Linda bei Gera. Cotoneaster-Rohpflanzen dieser Qualität werden in Deutschland nur von Uwe erzeugt. Der Rohling in der Anzuschtschale wurde im Januar 2007 relativ preiswert erworben und sofort massiv zurückgeschnitten. Leider existieren keine Vorher-Bilder. Wie auf der Aufnahme vom April 2007 zu sehen war der Rückschnitt einer von der heftigen Sorte (2007-04-01). Der Baum nahm das radikale Vorgehen nicht übel und trieb willig aus. Gleichzeitig zeigten sich am Stamm neue Knospen, die in den Gestaltungsplan einbezogen werden konnten. Das Jahr über durfte der Baum wachsen und erfreute im Herbst erstmals mit seinem bunten Laub (2007-10-14).

2007-04-01
2007-10-14

Das Bild vom Februar 2008 zeigt deutlich den Zuwachs in der ersten Vegetationsperiode; auch Ansätze zur Verzweigung sind bereits zu erkennen (2008-02-23). Wichtig sollte in diesem Jahr eine Knospe unterhalb des ersten Astes auf der linken Seite werden. Bis dahin saß der erste Ast eindeutig zu hoch. Daher durfte der entstehende Trieb frei wachsen, ein locker angelegter Draht sorgte für ein wenig Bewegung. Im Herbst maß dieser Trieb bereits einen halben Meter (2008-10-03).

2008-02-23
2008-10-03

 

Im Jahr 2009 wurde mit ständigem Rückschnitt die Verzweigung spürbar verbessert, wie die zwei Bilder aus diesem Jahr zeigen (2009-04-07, 2009-05-19).

2009-04-07
2009-05-19

Einen entscheidenden Schritt brachte 2010: Der Baum bekam seine erste Schale. Das Umtopfen war unproblematisch; die Wurzeln sahen sehr gesund aus. Gewählt wurde eine rechteckige China-Schale (ebenfalls aus Linda), die wegen des streng aufrechten Charakters ausgesucht worden war. Ungeachtet der Schalenwahl überzeugte der Baum jedoch nicht: Der Umriss wirkte zu symmetrisch, und der Stammansatz wies Tendenzen zur Negativ-Verjüngung auf (2010-04-06). Mit einer Drehung um etwa 30° entgegen dem Uhrzeigersinn wurden beide Probleme beseitigt (2010-04-19), beim nächsten Umtopfen wird die Position korrigiert. Auch in diesem Jahr war der Zuwachs stark und wurde durch intensive Düngung noch zusätzlich gefördert (2010-5-25, 2010-10-31)

2010-04-06
2010-04-19
2010-05-25
2010-10-31

Am Ende der vierten Vegetationsperiode (2010-11-20) ist der Cotoneaster auf seinem Weg zum Bonsai ein gehöriges Stück weiter gekommen; in etwa zwei Jahren dürfte die Feinverzweigung so weit zugelegt haben, dass man den Baum herzeigen kann.

(wird fortgesetzt)

2010-11-20